KAFFEE & KONZEPTE

Aromatisierter Kaffee:
Sirup im Kaffee lockt junge Gäste

Riccarda Frei

Hat aromatisierter Kaffee in der Schweiz eine Chance? - Ja sagt Andrea van Ransbeeck. Sie hat das Konzept «Coffee and More» entwickelt und getestet. Ihre Erkenntnis: Mit aromatisiertem Kaffee können neue Gästegruppen erschlossen werden.

Aromatisierter Kaffee!? Allein beim Gedanken an Kaffee mit Frucht-, Nuss- oder Gewürzgeschmack läuft es Puristen kalt den Rücken hinunter. – Kein Wunder. In den 70er Jahren wurden die Aromen hauptsächlich eingesetzt, um qualitativ schlechten Kaffee aufzumotzen.Heute haben die Aromazusätze eine andere Aufgabe: Sie sollen helfen, den Kaffee-Konsum weiter anzukurbeln und neue, jüngere Gäste in die Cafés und Tea Rooms zu locken.

«50 Prozent der Nicht-Kaffeetrinker haben aromatisierte Kaffees ausprobiert», sagt Andrea van Ransbeeck. Sie schränkt ein: «Diese Zahl gilt für die Altersgruppe der bis zu 25jährigen. Bei den Gästen, die älter als 25 Jahre sind, konnte immerhin noch jeder Dritte Nicht-Kaffeetrinker «bekehrt» werden». Im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Hotelfachschule Thun hat die Studentin ein eigenes Verkaufskonzept für aromatisierte Kaffees entwickelt. Sie hat ihm den Namen «Coffee and More» gegeben, weil «der Gast Kaffee mit dem zusätzlichen Extra bekommt». Und das in einer speziellen, von der Firma Buchecker gestalteten Tasse.

«Die anderen Gäste sollen sehen, dass in dieser Kaffeetasse etwas Besonderes ist», erklärt Andrea van Ransbeeck und ergänzt: «Die «Coffee and More»-Tasse soll Neugier wecken und zögernde Gäste ermuntern, sich ebenfalls einen aromatisierten Kaffee zu bestellen.» Drei Monate lang hat Andrea van Ransbeeck ihr Konzept in der «Brotbar» in Thun, im «Espressino Due» im Zürich-Hauptbahnhof und im «Quo Vadis» in Bern getestet. Das Ergebnis hat ihre Erwartungen bei weitem übertroffen. In der Brotbar beträgt der Anteil der aromatisierten Kaffees am Warme-Getränke-Umsatz stolze 12.5 Prozent !

Der Erfolg hängt ab vom individuellen Verkaufstalent der Serviceangestellten.Obwohl alle drei Testbetriebe die gleichen Aromasirupe, Werbemittel (spezielle Karte und Tassen) und Mitarbeiterschulung erhalten haben, machten aromatisierte Kaffees im «Espressino Due» und im «Quo Vadis» nur 0,6 Prozent am Warme-Getränke-Umsatz aus.

«Aromatisierte Kaffees sind in der Schweiz noch ziemlich unbekannt. Darum ist es wichtig, dass die Serviceangestellten dieses Produkt aktiv verkaufen und den Gästen die Berührungsängste nehmen», zieht Andrea van Ransbeeck den Schluss.Das Interesse der Gäste an aromatisierten Kaffees ist grundsätzlich vorhanden. Das zeigt die Auswertung, welche die Studentin am Ende der dreimonatigen «Coffee and More»-Testphase vorgenommen hat.Besonders die Gäste der Altersgruppe 25 bis 40 Jahre sprechen gut auf aromatisierten Kaffee an. In dieser Altersgruppe ist das Verhältnis der Geschlechter überraschend ausgewogen.

Sogar 42 Prozent der Gäste, die aromatisierten Kaffee bestellt haben, sind Männer. In den Altersgruppen bis 25 und ab 40 Jahren beträgt der Männeranteil jeweils nur 30 Prozent. «Die Schweizer mögen keine grellen Aromen in ihren Kaffees. Deshalb habe ich mich beim «Coffee and More»-Konzept auf die Aromen Amaretto, Chocolate, French Vanilla, Hazelnut (Haselnuss), Irish Cream und Caramel beschränkt», erklärt Andrea van Ransbeeck.

Wie sich zeigte, ist die Lieblingssorte der Frauen French Vanille. Sie trinken aromatisierten Kaffee vorwiegend am Nachmittag quasi als «kalorienarmes Dessert».Männer geben den Aromen Hazelnut, Irish Cream oder Amaretto den Vorzug. Sie trinken ihn weniger als «Dessert», sondern eher als alkoholfreien «Kaffee mit Schuss».Einig sind sich beide Geschlechter, wenn es darum geht, wie ihnen die angereicherten Kaffees schmecken. Acht von zehn Gästen geben den aromatisierten Kaffees die Noten gut und sehr gut! Nur 2 Prozent der Gäste würden nie wieder einen solchen Kaffee bestellen.

«Auf die richtige Dosierung kommt es an.Der Kaffee soll allen Aromen zum Trotz immer noch nach Kaffee schmecken», hält Andrea van Ransbeeck fest. Deshalb reicht ein kleiner Spritzer des gewünschten Aromas vollkommen aus.Dieser Meinung ist auch Samuel Zenger, Leiter Marketing und Verkauf Blaser Café. «Die Zusatzstoffe sollen das Aroma des Kaffees unterstreichen, nicht übermalen». Für ein optimales Geschmackserlebnis rät der Fachmann: «Mittel- und hellgeröstete Kaffeesorten eignen sich am besten zum Aromatisieren»

Es gibt unzählige Aromen, die dem Kaffee beigefügt werden können. Allein die Firma Coffee and Flavor  bietet mit ihren Da-Vinci-Gourmet-Sirupen über 60 verschiedene, speziell für das «Würzen» von Kaffees entwikkelte Aromen an. Diese Sirupe können zudem zu phantasievollen Aroma-Kreationen kombiniert werden

 

Neu ist für den Gast nur, dass das «Kaffee- und Guetzli-Aroma» in der Tasse daher kommt.» In einer zweiten Phase soll eine Konzentrat-Serie mit Gewürzaromen (zum Beispiel Zimt, Honig, Lebkuchen und Kardamom) produziert werden. Samuel Zenger bezeichnet sich als Kaffee-Puristen. Die aromatisierten Kaffees sind für ihn: «Ein gelungener Gag». Obwohl er seinen Kaffee am liebsten schwarz trinkt, sieht er im aromatisierten Kaffee eine Chance für die Cafetiers:«Mit Aromen kann man den Gästen ohne viel Aufwand immer wieder Neues bieten.»

Übrigens: Kaffee würzen oder aromatisieren ist nichts Neues. Im Orient wird dies bereits seit Jahrhunderten gemacht. Und selbst wir «verfeinern» unseren Kaffee seit jeher mit Milch und unterschiedlichen Zuckersorten. Ob Sirup oder Aroma-Konzentrat, drei Dinge sind beiden Produkten eigen:1. Sie sind leicht und sauber anzuwenden.2. Im Gegensatz zu aromatisierten Kaffeebohnen, welche mit ihrem Zuckerguss die Siebe verkleben können, kommen Sirup und Konzentrat nicht mit der Kaffeemaschine in Kontakt. Unerwünschte «Aromanebenwirkungen» sind ausgeschlossen.

3. Die Aromen können flexibel im ganzen Verpflegungs- und Getränkesortiment eingesetzt werden. Zum Beispiel für alkoholfreie Cocktails oder raffinierte Desserts. «Weil sie so vielseitig sind, lohnt sich die Anschaffung der Aromen auf jeden Fall», findet Nicole Gerstner, Geschäftsführerin der Brotbar. Auch finanziell sind für sie die aromatisierten Kaffees interessant. Nicole Gerstner verkauft die Tasse für 4.20 Franken.

Der Warenaufwand beträgt 65 Rappen (Kaffee 30 Rappen und 1,5 cl Sirup 35 Rappen).Die junge Geschäftsführerin ist so begeistert von den Sirupen, dass sie aromatisierte Kaffees auch nach Abschluss der «Coffee and More»-Testphase fest ins Sortiment aufgenommen hat. Für den Sommer plant Nicole Gerstner ein Angebot mit aromatisierten Eiskaffees und anderen Sommergetränken.

Auch Andrea van Ransbeeck ist überzeugt: «Aromatisierte Kaffees haben in der Schweiz eine Zukunft». Nach dem Abschluss der Hotelfachschule Thun möchte sie sich mit «Coffee and More» selbständig machen.

 

Andrea van Ransbeeck
Andrea van Ransbeeck lacht:

Ihr «Coffee and more»-Konzept hat mehr als nur «verdhebt». Die aromatisierten Kaffees haben auf Anhieb einen Anteil von bis zu 12,5 Prozent am Warme-Getränke-Umsatz erreicht. Und das, obwohl diese Kaffees in der Schweiz noch ziemlich unbekannt sind.